Six Minds GmbH

Tag der Skeptiker *innen

Wer Sicherheit will, muss Skepsis mögen?

Bild: Symbolbild Jacqueline Reichel "Tag der Skeptiker" / Foto: Six Minds GmbH

Einleitung

Der „Tag der Skeptiker“ ist ein jährlich wiederkehrender Tag, um über die Vor- und Nachteile von Skepsis nachzudenken, der am 13. Januar stattfindet. Ziel dieses Aktionstages ist die Förderung des kritischen Hinterfragens von Informationen und Fakten [1]. Er ruft dazu auf, eine wissenschaftlich fundierte Herangehensweise an Probleme und Entscheidungen zu pflegen, indem er die Bedeutung der skeptischen Betrachtung von Annahmen und Überzeugungen betont.

[1] (Recknagel, 2023)

Das Konzept des Zweifelns, aus dem lateinischen Wort „dubitare“ [2] abgeleitet, bezeichnet die Erfahrung einer ausgeprägten Unsicherheit hinsichtlich der Richtigkeit oder Falschheit eines gegebenen Sachverhalts oder Urteils. Skeptiker*innen hegen erhebliche Vorbehalte gegenüber potenziellen Annahmen aufgrund widersprüchlicher Daten, Fakten oder Argumente, die die Prozesse der Entscheidungsfindung erschweren können. Skepsis bedeutet aber auch einen Gegenstand auf seine Beschaffenheit zu untersuchen. Der negative Aspekt war zu Beginn des Skeptizismus nicht vorhanden.

[2] (PONS, 2023)

Warum finden wir Skeptiker*innen nicht unbedingt sofort sympathisch?

Die Erfahrung von Skeptiker*innen ist mit Unbehagen verbunden, da sie als belastend wahrgenommen werden, indem sie sich hartnäckig ins Bewusstsein bohren, zehren und quälen. Individuen bevorzugen jedoch Klarheit und streben nach Wahrheit und Gewissheit. Der Zustand der Unentschiedenheit, der Unsicherheit oder des inneren Konflikts stört dieses Streben nach Ausgeglichenheit. Die Welt, in der wir leben, ist jedoch zu komplex, um eindeutige Antworten zu liefern. Personen, die diese Komplexität nicht tolerieren können, neigen möglicherweise dazu, auf Vorurteile zurückzugreifen oder in einem dichotomen Schwarz-Weiß-Denken zu verharren.

Müssen Unternehmer*innen Skeptiker*innen sein? Dieser Frage wollten wir beantworten und durften in diesem Zuge mit Stefan Reichel von der Soulutions GmbH dazu ein Interview führen.

Zum Interview mit Stefan Reichel

Stefan Reichel hat jahrelange Erfahrung im Bereich Consulting und Softwareentwicklung.[3] Mit 14 gründete er im Keller eines Freundes sein erstes Unternehmen. Seitdem ist der studierte Master of Software Engineering bestrebt mit Technologie und seinen Unternehmen die Welt ein wenig besser zu machen. In jüngster Zeit hilft er Markenherstellern dabei Ihren Weg in die digitale Welt von Amazon und Co zu finden.

[3] (Reichel, 2023)

Stefan Reichel ist CTO der Soulutions GmbH und erfolgreicher Unternehmer in Berlin und Brandenburg, für einen weltweit gefragten Markt.

Bild: Stefan Reichel Soulutions GmbH / Foto: Soulution GmbH

 

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https://www.soulutions.io/

Marc Sommer (freier Redakteur)

Würdest Du dich als Skeptiker bezeichnen, wenn ja warum oder warum nicht?

Stefan Reichel

Ich würde mich schon als Skeptiker bezeichnen. Ich bin eher hinterfragend. Das hat unter anderem mit den Kunden zu tun. Herausforderungen sind hier eher wie Schach spielen. Die Züge müssen vorher geplant sein, auch etwas weitreichender. Ich erinnere mich, dass ich in der Schule Geschichte als Leistungskurs hatte. Hier habe ich gelernt zu hinterfragen, wer hat was, warum geschrieben oder gemacht. Das geht nicht, ohne genaue Quellen und Angaben zu prüfen. Ich habe den Eindruck, dass uns als Gesellschaft, in bestimmten Situationen oder Themen, diese Hinterfragungen, diese Skepsis abhandengekommen ist, gerade in Hinblick auf Social Media oder Medien im Allgemeinen.

Marc Sommer

Welche Beispiele aus Deinem unternehmerischen Alltag hast Du, um aufzuzeigen, welche Rolle Skepsis in Unternehmen spielt?

Stefan Reichel

Hier denke ich sofort an den Bereich des Controllings. Hier müssen Vorgänge hinterfragt werden. Skepsis hat zudem viel mit Risikovermeidung zu tun. Eine gewisse Skepsis kann bei der Bewertung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Rolle spielen. Sei es bei der Frage, ob die Person eine Aufgabe schafft, ist sie die geeignete Person für eine bestimmte Anforderung oder ist es angebracht, diese Aufgaben umzulenken zu einer anderen Person im Unternehmen, die sich mit der Thematik optimaler befassen kann.

Unternehmer sind für die Lenkung der Geschäfte, des Erfolges zuständig. Irgendwann muss jedoch eine Geschäftsführung auch wagen, sonst kommt das Unternehmen nicht zum Ziel. Es geht um die Balance von Skepsis und Umsetzung. Weil irgendwann muss ich für mich genug Informationen haben, um eine Entscheidung zu treffen, auch wenn diese eine eher schwierig sein mag.

Marc Sommer

Sollte die Geschäftsführung eher Skeptiker*in sein oder sind hierfür Mitarbeiter*innen besser geeignet?

Stefan Reichel

Jede Geschäftsführung sollte eine gesunde Skepsis in sich haben. Sie muss hinterfragen. Unternehmer*innen müssen das Risiko kennen und abschätzen können. Bei Soloselbstständigen ist das ein wenig anders. Hier muss die Person mehrere Funktionen in einer Person vereinen. Das ist für den einen oder anderen schon eine Herausforderung. In einem Unternehmen, mit Mitarbeitern, in sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhältnissen, entwickelt sich schnell eine Managementebene. Und die Aufgabe eine Geschäftsführung ist es, die Schlüsse, die das Management erarbeitet hat zu hinterfragen. Denn wie wir alle es kennen und wissen, jede/r macht seinen Job perfekt und verkauft seine Arbeit auch dementsprechend. Auch hier kommen wir zu einer gewissen Fähigkeit, die nennt sich Vertrauen. Wenn ich meinem Team nicht oder nur wenig vertraue, dann ist die Skepsis um einiges höher als in einem Team, wo sich das Vertrauen gefestigt hat.

Wichtiger Punkt: Ein Management muss eine Sorgfaltspflicht haben und auch ausüben. Am Ende steht die Geschäftsführung, mit der Unterschrift, mit der Entscheidung als Verantwortlicher dafür juristisch ein. Das Risiko tragen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer. Wir Unternehmer müssen unbedingt Verantwortung übernehmen, wofür wir auch da sind.

Marc Sommer

Wie unterscheiden sich Skeptiker*innen von Optimist*innen, im Hinblick auf die Prozesse in Unternehmen?

Stefan Reichel

Gehen wir in Richtung „Investition“. Die Leute, die Investitionen bringen, sind nicht die die Skeptiker. Diese würden nicht sagen: „Wir müssten mal ganz viel Geld investieren, wir wissen nur noch nicht wie, wir schauen mal, was daraus wird.“ Das würde ein Skeptiker so nicht sagen. Dafür gibt es wiederum andere Leute im Unternehmen, die energetischer unterwegs sind, die Sachen nach vorne preschen.

Der Skeptiker wiederum prüft das Ganze. Vorsicht: Hier kann es zu Problemen kommen. Wenn ein Skeptiker zu viel Fahrt aufnimmt, kann beispielsweise eine Innovation wieder abgewürgt werden, wenn diese sagen: „Das funktioniert alles nicht.“ Aber Skeptiker schützen in diesem Maße das Vorhaben und die Investition eines Unternehmens.   

Marc Sommer

Wie verhält es sich beim Einsatz von Künstzlicher Intellligenz (KI). Ist der Einsatz eher aus dem Bereich der Skepsis zu betrachten oder eine Investition?

Stefan Reichel

Wie bereits erwähnt, hat Skepsis etwas mit Vertrauen zu tun. Ein Programm denkt über das, was das Programm machen soll, nicht nach. AI oder KI sind emotionslos. Bei uns Menschen ist das anders. Wenn wir keine Angst haben, gehen wir Risiken ein und denken nicht über die Folgen nach. Das Gefühl der Angst hat eine KI nicht.

Skepsis macht ein Risiko auf, also da ist ein begründeter oder unbegründeter Zweifel. Wie bei allen Dingen: Ein Vorhaben birgt auch ein gewisses Risiko. Die Fragen sind, ob diese Risiken kalkulierbar, kontrollierbar, zu minimieren sind, ausgeschlossen werden können oder Maßnahmen ergriffen werden müssen, diese Risiken abzustellen. Eine AI oder KI kann dabei nur unterstützen (was die Zukunft bringt, ist hier gerade nicht gedacht). Eine KI kann sehr gut Muster erkennen. KI sehe ich daher eher als Werkzeug der Skeptiker um Zweifel und Unklarheiten zu beseitigen.

Marc Sommer

Lieber Stefan, vielen Dank für die Einblicke, die Einschätzungen und Handlungsempfehlungen.

Zu viel Skepsis könnte lähmen und destruktiv wirken

Ein übermäßiges Maß an Skepsis kann sich lähmend und destruktiv auswirken, wodurch potenzielle Fortschritte behindert werden. Individuen, die notorisch zweifeln oder eine pessimistische Haltung pflegen, neigen dazu, in jeder Situation nach vermeintlichen Schwachstellen zu suchen, zu zaudern und zu zögern, was letztendlich zu einer Hemmung ihrer Handlungsbereitschaft führen kann. Eine dauerhafte Neigung zur Skepsis und pessimistischen Denken ist jedoch nicht zwangsläufig ein Zeichen von besonderer Gewissenhaftigkeit; vielmehr deutet sie oft auf eine verzerrte Wahrnehmung hin oder übersteuerte Ängste.

Die Rolle von Optimismus neben Skepsis

In der Unternehmenswelt ist Skepsis oft als kritischer Faktor für eine effiziente Entscheidungsfindung und Risikomanagement anerkannt. Die Fähigkeit, Informationen kritisch zu hinterfragen und Annahmen zu überprüfen, bildet die Grundlage für eine gesunde und widerstandsfähige Organisation. Jedoch ist es wichtig zu erkennen, dass neben der Skepsis auch das Gegenteil, nämlich Zuversicht oder Optimismus, eine bedeutende Rolle spielt.

Die Rolle von Skepsis in Unternehmen

Skeptiker*innen in einem Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung von potenziellen Risiken, der Verbesserung von Prozessen und der Sicherstellung, dass Entscheidungen auf soliden Grundlagen basieren. Skepsis hilft, unüberlegte Schritte zu vermeiden, fördert die Sorgfalt bei der Bewertung von Optionen und trägt zur langfristigen Stabilität des Unternehmens bei.

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Passend zum Thema:

Prof. Dr. Daniel Graewe, LL.M., hatte am 06.01.2024 auf LinkedIn einen Beitrag veröffentlicht, den wir zu diesem Artikel sehr passend fanden.

Zur Person

Prof. Dr. Graewe ist Mitglied in Aufsichtsorganen und Beiräten. Dort berät und kontrolliert er das Management von Unternehmen. Prof. Dr. Graewe hat eine eigene Kanzlei, die Unternehmen, Unternehmer*innen in Unternehmensrecht berät, insbesondere in den Bereichen ESG, Handels- und Gesellschaftsrecht, sowie bei Restrukturierung und Sanierungen. Als Professor für Wirtschaftsrecht, der HSBA Hamburg School of Business Administration, leitet er das An-Institut für angewandtes Wirtschaftsrecht.

„𝘌𝘪𝘯 𝘙𝘪𝘴𝘪𝘬𝘰𝘮𝘢𝘯𝘢𝘨𝘦𝘳 𝘶𝘯𝘥 𝘦𝘪𝘯 𝘖𝘱𝘵𝘪𝘮𝘪𝘴𝘵 𝘨𝘦𝘩𝘦𝘯 𝘪𝘯 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘉𝘢𝘳. 
𝘋𝘦𝘳 𝘖𝘱𝘵𝘪𝘮𝘪𝘴𝘵 𝘴𝘢𝘨𝘵: ‚𝘋𝘢𝘴 𝘎𝘭𝘢𝘴 𝘪𝘴𝘵 𝘩𝘢𝘭𝘣 𝘷𝘰𝘭𝘭.‘ 
𝘋𝘦𝘳 𝘙𝘪𝘴𝘪𝘬𝘰𝘮𝘢𝘯𝘢𝘨𝘦𝘳 𝘴𝘢𝘨𝘵: ‚𝘐𝘤𝘩 𝘩𝘰𝘧𝘧𝘦, 𝘦𝘴 𝘪𝘴𝘵 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘷𝘦𝘳𝘨𝘪𝘧𝘵𝘦𝘵.‘ 🙊 „

#Risikomanagement ist für jedes Unternehmen essenziell. Ähnlich wie beim #Compliance-Management reicht aber ein „Single Shot“ nicht aus – Unternehmen brauchen ein System, das sich flexibel an neue und veränderte Risiken anpasst – denn diese Faktoren haben einen erheblichen Einfluss auf die langfristige Leistung und Stabilität des Unternehmens.“

Quelle:

LinkedIn Prof. Dr. Daniel Graewe

Die Notwendigkeit von Optimismus

Jedoch ist es wichtig zu betonen, dass ausschließliches Festhalten an Skepsis auch Nachteile mit sich bringen kann. Optimismus spielt eine ebenso wichtige Rolle, insbesondere wenn es darum geht, Innovationen voranzutreiben, neue Chancen zu erkennen und Mitarbeiter*innen zu motivieren. Optimistische Perspektiven können das Kreativitätspotenzial freisetzen und den Mut fördern, sich auf neue Wege einzulassen.

Balance und Weiterentwicklung als Erfolgsfaktor

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Skepsis und Optimismus ist daher mitentscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Skeptiker*innen sorgen für eine kritische Überprüfung und Absicherung, während Optimisten den Mut zur Veränderung und Innovation fördern können. Gemeinsam schaffen sie eine kraftvolle Dynamik, die das Unternehmen agil und anpassungsfähig macht.

Innovation und Wachstum

Optimismus ist oft ein treibender Faktor hinter erfolgreichen Innovationen. Unternehmen, die sich auf positive Perspektiven stützen, können schneller auf Veränderungen reagieren und neue Möglichkeiten besser nutzen. Die Bereitschaft, Risiken einzugehen, wird durch einen optimistischen Ansatz gestärkt, was in dynamischen Märkten von entscheidender Bedeutung ist.

Motivation und Mitarbeiterengagement

Optimismus hat auch eine erhebliche Auswirkung auf das Mitarbeiterengagement. Eine positive Atmosphäre fördert das Vertrauen der Mitarbeiter in die Vision des Unternehmens und steigert die Motivation, innovative Ideen einzubringen und sich für den Erfolg des Unternehmens einzusetzen.

Insgesamt zeigt sich, dass in der komplexen Welt der Wirtschaft sowohl Skepsis als auch Optimismus ihre berechtigten Plätze haben. Das Zusammenspiel beider Denkweisen ermöglicht es Unternehmen, sich erfolgreich den Herausforderungen der modernen Wirtschaft zu stellen und eine ausgewogene Grundlage für nachhaltiges Wachstum und Erfolg zu schaffen.

Direkte Tipps der Six Minds Redaktion für die Umsetzung

  1. Vorsicht beim blinden Folgen eines Trends oder Hype, welches gerade stark beworben wird. Seien Sie skeptisch.
  2. Die angemessene Balance schaffen, zwischen Skepsis, Optimismus und Enthusiasmus.
  3. Regelmäßige Bewertung, ob sich Mitarbeiter*innen noch auf der geeigneten Position oder bei der jetzigen Aufgabe, weiterentwickeln können.
  4. In einer kleinen Gruppe aus 6 Unternehmer*innen herausarbeiten, welche Situationen zu lösen sind.
  5. Das eigene Netzwerk anschauen, ob eine Partizipation noch vorhanden ist oder es Zeit für neuen Durchmischung ist.
  6. Denken Sie über folgende Punkte nach:
    • Compliance-Management im System der Corporate Governance,
    • Rechtliche Anforderungen an ein Risikomanagement-System
    • Umgang mit Risiken in Verträgen und durch Verträge
    • Risikomanagement in ausländischen Rechtsordnungen
    • Verantwortlichkeit von Geschäftsführung und Aufsichtsrat
    • Zusammenspiel von Risiko und Vertrauen.

Werbung in eigener Sache

Bild: Werbung in eigener Sache: Six Minds - Six Cities / Foto: Six Minds GmbH

 

Deine und Ihre Meinungen, Erfahrungen und Tipps sind gefragt. Schreibe oder teile Deine Erfahrungen. So hilfst Du nicht nur anderen Unternehmer*innen, sondern auch Dir.

Ein Artikel des freien Redakteurs

Marc Sommer

Für die Redaktion der

Six Minds GmbH

Fassung vom 13.01.2024